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Briefmarken als Geldanlage? Drucken
Samstag, 6. September 2008
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Briefmarken als Geldanlage?
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Nur rare Ware lohnt sich

Briefmarkensammeln als Kleinbürgerhobby trägt nichts ein. Wer aber klug nur Topqualität einkauft, investiert gut: Der Index der 100 weltweit begehrtesten Marken ist seit 1998 um 65 Prozent gestiegen.

 

Text: Bernhard Raos

 

Es muss sich um Wertvolles handeln: Sicherheitsleute vor dem Eingang, im Foyer und auf den einzelnen Stockwerken, dicke Panzertüren – wenn das Auktionshaus Rapp im sankt-gallischen Wil zur Internationalen Briefmarkenauktion bittet, lagern hier Wertpapierchen für über zehn Millionen Franken. 502 Seiten umfasst der 2,8 Zentimeter dicke Auktionskatalog, der viele der 1877 Lose in farbigen Bildern präsentiert.

 

Die erste Auktion im Untergeschoss ist eine nüchterne Angelegenheit. Das liegt sowohl am gesitteten Bieterpublikum – überwiegend gesetzte Herren helvetischer Provenienz – als auch am Auktionator.

 

Peter Rapp (60) ist kein Mann der grossen Worte und Gesten. Ohne sichtbare Emotionen spult er sein Programm «Einzelstücke Schweiz» herunter. Er preist seine Ware nicht speziell an, sondern nennt Losnummer um Losnummer und registriert wie ein Buchhalter die Angebote. «Qualität braucht keinen Lautsprecher», sagt Rapp.

 

Eine Zusatzinformation liefert der Auktionator nur zum Los Nummer 34: Es handle sich um das Exemplar von der Katalogtitelseite. Die Basler Taube auf Brief ist einem Sammler 41 300 Franken wert. Ob sich Rapp darüber freut, sieht man ihm nicht an. Seine Tochter und Geschäftsführerin, Marianne Rapp Ohmann (29), wertet den Zuschlagspreis als «erwartungsgemäss».

 

Etwas lebhafter geht es jeweils an der so genannten Sondersitzung zu, wo grosse Sammlungen für sechsstellige Beträge unter den Hammer kommen. 860 000 Franken für eine Zeppelinsammlung waren dieses Mal der Rekord. Das Publikum ist internationaler, und es wird auch mal applaudiert, wenn Bieter sich duellieren und die Preise nach oben schiessen. Frischen Zug ins Geschäft bringen seit einigen Jahren die Käufer aus Osteuropa mit den ganz dicken Portemonnaies.

 

Vielleicht hat die zur Schau gestellte Coolness auch damit zu tun, dass im Geschäft mit Briefmarken nur wenige was zu lachen haben. Der Markt ist heute zweigeteilt: Für seltene Stücke in Topqualität – in der Regel Postwertzeichen aus der Zeit zwischen 1840 und 1880 – steigen die Preise kontinuierlich. Nimmt man etwa den Index der weltweit 100 begehrtesten Briefmarken des Londoner Auktionshauses Stanley Gibbons als Wertmesser, so hat dieser von 1998 bis im September 2005 um 65,3 Prozent zugelegt. Der Weltindex von Morgan Stanley Capital International (MSCI World Index) brachte es im selben Zeitraum nur auf ein Plus von gut 30 Prozent.

 

Die meisten Märkler machen hingegen frustrierende Erfahrungen, sobald sie ihre jahrzehntelang gehorteten Schätze einmal verkaufen wollen. Was in Briefmarken-Katalogen aufgelistet wird, sind Mondpreise. Bezahlt werden weniger als 30 Prozent davon. Hans Grünenfelder, Sekretär beim Schweizer Briefmarken-Händler-Verband und selber Händler, gibt ein realistisches Beispiel: «Wer die letzten 40 Jahre Briefmarken postfrisch gekauft hat, bekommt dafür heute in der Regel noch 80 Prozent seines Kaufpreises.» Er selber verhökert jährlich für rund eine Million Franken frankaturgültige Marken zu 95 Prozent des Nominalwerts – meist an Firmen, die sich so fünf Prozent Portokosten sparen. Briefmarken, von denen es Millionen Exemplare gibt, sind nun mal von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen keine Wertanlage.


 
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